Café des Amis · EinkaufsdossierWerkzeug / Teil / Serie
Vor dem Spritzgussauftrag

Sieben Fragen vor der ersten Offerte.

Eine belastbare Anfrage beginnt nicht mit dem Satz «Bitte Preis nennen». Sie beschreibt Funktion, Datenstand, Menge, Qualität und Liefermodell so klar, dass Anbieter dieselbe Aufgabe kalkulieren.

Die Kurzantwort: Je eindeutiger Bauteilfunktion, Zeichnung, Materialrahmen, Jahresbedarf und Prüfmerkmale beschrieben sind, desto besser lassen sich Offerten vergleichen. Offene Punkte dürfen offen bleiben – sie müssen nur sichtbar sein.

Akte A · Wirtschaftlichkeit

Preis ist ein Ergebnis, keine Eingabe.

01

Was bestimmt die Kosten?

Werkzeug und Vorrichtungen sind projektbezogene Einmalkosten. Material, Maschinenzeit, Prüfung, Verpackung und Logistik wirken auf die laufenden Kosten. Auch Ausschussrisiko, Nacharbeit und Abrufstruktur gehören in den Vergleich.

Für die Anfrage: Jahresbedarf, Losgrösse, geplante Laufzeit und gewünschter Lieferort nennen.
02

Wann lohnt sich Spritzguss?

Das lässt sich nicht mit einer allgemeingültigen Stückzahl beantworten. Geometrie, Werkzeugkonzept, Material, Qualitätsaufwand und alternative Verfahren verändern den wirtschaftlichen Übergang. Verglichen werden sollte die erwartete Gesamtlaufzeit, nicht nur das erste Los.

Für die Entscheidung: Serienbedarf und realistische Alternativen auf derselben Datengrundlage bewerten.

Randnotiz: Eine tiefe Stückzahl macht ein ungeklärtes Werkzeug nicht automatisch günstig.

Akte B · Definition

Daten machen aus einer Idee ein kalkulierbares Teil.

03

Welche Daten werden benötigt?

Ein 3D-Modell beschreibt die Geometrie; eine Zeichnung ergänzt Funktionsmasse, Toleranzen, Oberflächen, Material und Prüfmerkmale. Zusätzlich helfen Informationen zur Anwendung, Montage, Umgebung und zu kritischen Sichtflächen.

Versionsstand und Rangfolge der Dokumente eindeutig festhalten.
04

Muss das Material bereits feststehen?

Nicht zwingend. Wenn noch kein Werkstoff freigegeben ist, sollten die Anforderungen beschrieben werden: mechanische Last, Temperatur, Medienkontakt, Erscheinungsbild, Lebensdauer und regulatorischer Rahmen. Eine blosse Materialabkürzung ersetzt diese Einsatzbeschreibung nicht.

Unterscheiden: verbindliche Vorgabe, bevorzugte Lösung oder noch offene Auswahl.
05

Wie wird Qualität vereinbart?

Qualität entsteht aus klaren Merkmalen und einer passenden Prüfmethode. Kritische Masse, Funktion, Oberfläche, Materialstatus und zulässige Abweichungen sollten vor Werkzeugfreigabe geklärt werden. Musterstatus und Serienfreigabe sind getrennte Entscheidungen.

Messbezug, Prüfmittel, Häufigkeit und Umgang mit Abweichungen dokumentieren.
Akte C · Verantwortung

Werkzeug und Liefermodell brauchen klare Grenzen.

06

Wem gehört das Werkzeug?

Eigentum, Standort, Kennzeichnung, Wartung, Versicherung, Änderungen und Herausgabe sollten vertraglich geregelt sein. Ebenso wichtig ist, wer Konstruktionsdaten verwahrt und wie ein möglicher Transfer vorbereitet wird.

Werkzeugeigentum nicht aus der Bezahlung allein ableiten, sondern ausdrücklich festhalten.
07

Was gehört zur Lieferplanung?

Jahresforecast, Abrufrhythmus, Verpackung, Sicherheitsbestand, Prüfunterlagen und Änderungsinformation beeinflussen die Versorgung. Ein Termin für das erste Muster ist noch kein belastbarer Serienplan.

Meilensteine für DFM-Klärung, Werkzeugfreigabe, Bemusterung und Serienabruf getrennt benennen.
Werkzeugakte

Fünf Punkte, die nicht zwischen den Zeilen stehen dürfen.

EigentumWer ist Eigentümer, und wie wird das Werkzeug dauerhaft gekennzeichnet?
ÄnderungWer darf Änderungen beauftragen, freigeben und dokumentieren?
UnterhaltWelche Wartung ist vorgesehen, und wie wird ihr Status nachvollziehbar?
DatenWelche Werkzeug- und Bauteildaten werden in welchem Stand übergeben?
TransferWelche Bedingungen gelten bei Einlagerung, Herausgabe oder Lieferantenwechsel?
Versandcheck

Diese Angaben gehören in die erste Anfrage.

3D-Daten und Zeichnung mit VersionsstandBauteilfunktion und Einsatzumgebung Materialvorgabe oder AnforderungsprofilJahresbedarf, Losgrössen und Projektlaufzeit kritische Masse, Oberflächen und PrüfmerkmaleMontage-, Verpackungs- und Lieferanforderungen Zieltermine für Muster und Serieoffene Fragen und gewünschte Verantwortlichkeiten